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Hundesteuersätze im Bundesvergleich

Das Thema Hundesteuer sorgt in Hundehalterkreisen regelmäßig für hitzigen Gesprächsstoff. In der Tat kann man durchaus diskutieren, weshalb das öffentlich-rechtliche Gemeinwesen nur die Haltung von Hunden  besteuert wird und nicht auch das Halten anderer Haustiere. Meines Erachtens kann man durchaus der Ansicht sein, dass da eine Ungleichbehandlung vorliegt und u.a. der grundgesetzlich verankerte Gleichheitssatz, wonach wesentlich Gleiches rechtlich gleich und wesentlich Ungleiches seiner Eigenart entsprechend rechtlich ungleich zu behandeln ist sowie das Willkürverbot (Gleiches darf nicht willkürlich ungleich behandelt werden), nicht beachtet wird. Aber bekanntlich können drei Juristen ja zu fünf unterschiedlichen Ansichten gelangen. Da ich die Steuerpflicht für Hunde wohl nicht ändern kann (ungewisse und kostenintensive Musterprozesse will ich nicht führen und bisherige Versuche, die Hundesteuer zu beseitigen waren, z.B. durch Dr. Elmar Vitt -wenn auch nur aus formalen gründen- bereits erfolglos), habe ich mich damit abgefunden. Mit 70 Euro Hundesteuer pro Jahr ist die Kostenlast in meiner Gemeinde auch noch eher im unteren Bereich im Bundesvergleich. Am Teuersten ist es aktuell in Mainz, wo pro Jahr für den ersten Hund 186 Euro Hundesteuer fällig werden. Am Günstigsten ist es in der Gemeinde Windorf, die auf Hundesteuer verzichtet. Übrigens handelt es sich um eine Steuer, so dass es auf eine Gegenleistung der Gemeinde bzw. des Staates gerade nicht ankommt und die Steuer auch sachfremd verwendet werden kann, dies ist also kein wirkliches (juristisches) Argument gegen die Hundesteuer.  Die Stiftung Warentest hat aktuell einmal die jeweiligen Steuersätze im Bundesvergleich ermittelt und auf einem schönen Schaubild dargestellt.

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Liebster Award Nominierung II

liebsterawardNachdem Filous Blog vor einiger Zeit erstmalig vom LesWauz – Der Hundeblog, den Rebecca Noeh schreibt, nominiert wurde, Freue ich mich, dass Filous Blog nun ein weiteres Mal von Mara von „Portraits von Mensch und Tier“ nominiert wurde. Im Rahmen des Liebster Award sollen weniger bekannt Blogs etwas mehr Bekanntheit und Verbreitung erfahren. Es gilt 11 Fragen der Person zu beantworten, die einen nominiert hat und sodann wiederum einige Blogs zu nennen und diesen wiederum eigene 11 Fragen zur Beantwortung zu stellen und so weiter… Und schon hat man im Idealfall einen ordentlichen Verfielfältiger. Über die erneute Nominierung habe ich mich sehr gefreut. Da ich schon einmal nominiert war und ebenfalls weitere Blogs nominiert habe, beantworte ich hier gerne die 11 Fragen (aus Hundesicht) von Portraits von Mensch und Tier, werde aber selbst nicht nochmals Blogs nominieren:

1. Was für ein Hund bist du?
Ich bin ein echter Pinscher. Ich bin zwar nur knapp 4 Kilo schwer (das sind aber dafür nur Muskeln) und mit 31 Zentimetern Schulterhöhe nicht der Größte (aber auch nicht der Kleinste), aber man sollte ich nicht unterschätzen. Hier kommt beispielsweise keiner auf den Hof, ohne dass ich das nicht melde. Ich bin für jede Action zu haben, zumindest bei gutem Wetter, wenn es regnet und/oder kalt ist, ziehe ich das heimische Sofa oder Herrchens Bett vor. Außerdem bin ich sehr verschmust, suche mir die Menschen und Hunde, mit denen ich das machen will und Kontakt möchte, aber sehr sorgfältig aus, da braucht nicht jeder zu kommen.

2. Was macht Dich besonders?
Das kann ich selbst schwer sagen. Meine Menschen sagen immer, mein zartes und sensibles Wesen, mache mich besonders. Und dass ich überhaupt nicht nach Hnd rieche, nicht mal, wenn ich nass bin. Das scheint bei den Menschen was besonderes zu sein. Mir soll es recht sein, so darf ich auch immer aufs Sofa und werde oft geknuddelt.

3. Hast Du mit Vorurteilen Dir gegenüber zu kämpfen?
Oh ja, mit einer ganzen Menge. Vor allem, weil ich so klein bin, meinen viele, ich sei gar kein „vollwertiger“ Hund. Das ist aber Quatsch, ich kann alles mitmachen und habe noch nie schlapp gemacht. Und doch, ich bekomme mehr als genug zu essen, auch wenn ich so dünn bin. Das muss so sein, viele der Menschen, die meinen, ich sei zu dünn, sollten besser mal den BMI ihres Hundes checken. Ein Vorurteil, ich sei verhätschelt, weil ich im Winter Mäntel trage, ist auch dummes Zeug. Das brauche ich, weil ich keine Unterwolle habe und auch sonst nur sehr dünnes Fell. Ich wundere mich da manchmal über die Dummheit mancher Menschen.

4. Bist Du eher Couchpotatoe oder Sportskanone?
Ich bin ja eher eine Sportskanonen, liebe aber auch die Couch. Das hängt aber auch stark vom Wetter ab und von der Aktivität und Zeit meines Menschen.

5. Hast Du Vorbilder?
Nein, das habe ich nicht, wenn, dann mein Herrchen, an dem ich mich gerne orientiere, der ist meistens ganz cool, manchmal ist er aber etwas übervorsichtig.

6. Was war das Kurioseste, was Dir in Deinem Hundeleben bislang passiert ist?
Da fällt mir gar nichts ein. Kurios finde ich aber, dass mein Herrchen laufend Fotos und so von mir macht und das schon seit Jahren in so ein Internet schreibt. Naja, wenn es ihm gefällt.

7. Und das Allertollste?
Das Allertollste war, dass ich hier bei meinen Menschen gelandet bin, die mich so lieben und es mir gut gehen lassen. Da habe ich echt Glück gehabt, denn als ich noch ganz ganz klein war, hatte ich nicht so gute Fürsorge.

8. Hast Du einen richtig guten Hundefreund?
Ich habe einige Hunde, die ich gerne mag. aber einen richtigen Hundefreund, mit dem ich mich regelmäßig träfe, habe ich nicht.

9. Kannst Du uns ein Buch empfehlen?
Da fallen mir einige ein. Wie wäre es mit „Off the Leash – The Secret Life of Dogs“ von Rupert Fawcett.

10. Etwas Unangenehmes: nenne mir eine negative Eigenschaft. (Der Fairness halber: meine ist mein Hang zur Hysterie, dann werde ich wirklich kopflos, meint Mara. Auch wenn es selten vorkommt.)
Hier bei mir zu Hause und auf meiner „Haus-Gassi-Runde“ neige ich wohl etwas zur Territorialität und belle da manchmal andere Hunde mehr an, als es meinem Herrchen recht ist. Das hängt auch damit zusammen, dass ich sehr ängstlich bin, weil ich in den ersten Monaten meines Lebens vieles nicht gelernt habe und daher unsicher bin, da ist es immer mal gut, erst einmal einen auf dicke Hose zu machen.

11. Hast Du eine Lebensweisheit, die Du uns mitgeben kannst?

Lass Dich nicht von einem Nein abhalten. Ein gekonnter Hundeblick und schon verwandelt sich ein „Nein“ schnell in ein „Na gut“ 😉

Herzliche Grüße, Filou

 

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Dream Doghouse oder Hundehütte 2.0

Samsung UK hat sich eine möglicherweise schlaue Marketing-Kampagne überlegt, denn die Zielgruppe der Hundebesitzer groß und nicht die kaufschwächste ist und über das Herzenstier lässt sich vielleicht auch das eine oder andere Stück Technik vermarkten. Für seine amüsante Kampagne hat Samsung das „Samsung Dream Doghouse“ oder wie ich sage, die „Hundehütte 2.0“ gebaut und als Gewinn ausgelobt.

Innerhalb von sechs Wochen haben 12 Designer bei Samsung das Dream Doghouse erdacht und gebaut. Das Dream Doghouse besteht aus zwei Teilbereichen, einem Ruhebereich aus einem kratzfesten Leder und passenden Kissen und einem eingebauten Samsung Galaxy Tab und einem weiteren Wohn-Bereich mit flauschigen Belägen, kleinen Porträts, z.B. von Hundekumpels und Futternapf inklusive automatischem Spender. Über ein mit Kunstrasen belegtes Laufband kann das Dream Doghouse verlassen werden. Sicher nicht ganz ernst gemeint und bei einem angeblichen Wert der Hütte von umgerechnet über 25.000 Euro auch nicht für die Großserie geeignet. Eine lustige und für Aufmerksamkeit sorgende Idee ist es allemal. Bei der Crufts 2015 soll das Dream Doghouse live zu bestaunen sein.

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…sondern erlöse uns von dem Bösen…

Aktuell wird vor allem aufgrund vermehrt auftretender Masernfälle, z.B. in Berlin, und auch aufgrund der immer noch andauernden Grippewelle und des diesjährig nicht gut wirkenden Grippeimpfstoffes ernsthaft die Frage diskutiert, sollte man impfen oder nicht. Diese Diskussion lässt sich ohne weiteres auf das Impfen bei Hunden übertragen. Meine Erfahrung ist, dass sowohl bei Impfungen für Mensch als auch bei Tier das Thema regelmäßig zu Beziehungskrisen und zu Zerreissproben von Freundschaften führt. Die Frage des „Ob“ stellt sich meiner Ansicht nach nicht und die diesbezüglichen Argumente der Impfgegner, die Impfungen generell ablehnen und Menschen verunsichern, sind aufgrund ihrer Perfidie nur schwer erträglich. Die vielfältige Frage des „Wie“ von Impfungen ist allerdings legitim und kann und sollte durchaus diskutiert werden.

Der von mir bereits aufgrund seiner früheren Beiträge auf seinem Blog sehr geschätzte Tierarzt Ralph Rückert aus Ulm-Söflingen hat im Rahmen der aktuell wieder geführten Diskussion einen sehr lesenswerten und treffenden Beitrag zu dem Thema verfasst, für den man ihm danken muss und den man im Rahmen der Diskussion gelesen haben sollte. Ralph Rückert war so freundlich (Vielen Dank !) und hat mir erlaubt, seinen Beitrag im vollen Wortlaut hier zu zitieren.

…und beschütze mich vor den scheußlichen Pocken und allem Übel. Amen!

So steht es am Ende eines Gebets aus dem 9. Jahrhundert: Beschütze mich vor den scheußlichen Pocken und allem Übel. Amen! Es gab zu dieser Zeit sicher genug Übel, weit mehr, als wir uns heutzutage vorstellen können. Welchen unsäglichen Schrecken müssen die Pocken bedeutet haben, dass der Schutz vor ihnen an erster Stelle, vor allem anderen Übel, erfleht wurde.

Über Tausende von Jahren haben die Pockenviren die Menschheit gequält wie kaum ein anderer Krankheitserreger. Bei der berühmten Antoninischen Pest, die im 2. Jahrhundert n. Chr. 24 Jahre lang durch das gesamte Römische Imperium tobte, bis zu 10 Millionen Menschen das Leben kostete und zeitweise die öffentliche Ordnung völlig zum Zusammenbruch brachte, dürfte es sich nach heutiger Auffassung um die Pocken gehandelt haben. In Amerika wurden ganze Indianer-Nationen durch die von den Europäern eingeschleppten Pocken innerhalb kürzester Zeit buchstäblich ausradiert. Ab dem 18. Jahrhundert forderten die Pocken in Europa nach modernen Schätzungen 400000 Todesopfer pro Jahr. Pro Jahr! Jedes zehnte Kind starb vor dem Erreichen des zehnten Lebensjahres an dieser Krankheit. Kinder gehörten oft erst zur Familie, nachdem sie die Pocken überstanden hatten. Und diejenigen, die das geschafft hatten, waren nicht selten für den Rest ihres Lebens schwer entstellt oder gar durch Blindheit, Taubheit, Lähmungen oder Gehirnschäden dauerhaft behindert.

1972 aber wurde der letzte Pockenfall in Deutschland registriert und nach dem allerletzten Ausbruch in Somalia 1977 waren die Pocken endgültig ausgerottet. Möglich gemacht hat diesen Sieg über eine der verheerendsten Krankheiten der Menschheitsgeschichte die Impfung gegen Pocken mit einer zeitweise sogar weltweit geltenden Impfpflicht. Die Narben auf meiner Schulter zeigen bis heute, dass ich zu der Generation Kinder gehörte, die damals in der Schule geimpft wurden. Der Horror vor dieser Krankheit war so groß, dass kaum jemand ernsthaft gegen diese (Zwangs-)Impfung protestierte, obwohl sie teilweise sehr unangenehme Nebenwirkungen hatte und man mit 15 lebensbedrohlichen Komplikationen und zwei Todesfällen pro einer Million Impfungen rechnen musste.

Nützliches Wissen für Partygespräche Nr. 1: Der Impfstoff beruhte auf Vaccinia-Viren, die damit zum Namensgeber für die Begriffe Vakzine (Impfstoff) und Vaccination (Englisch für Impfung) wurden.

Wissen für Partygespräche Nr. 2: Das Königreich Bayern hat bereits 1807 als weltweit erstes Land eine Pocken-Impfpflicht eingeführt. Sagen Sie nicht, Sie würden hier nichts lernen!

Im Winter 1979/80 traf ein neuer Krankheitserreger, eine Mutation des Katzenseuche-Virus, über Großbritannien, Belgien und Holland aus den USA kommend, auf eine darauf völlig unvorbereitete Hundepopulation in Deutschland. Das Canine Parvovirus (CPV) kostete innerhalb weniger Monate Tausende von Hunden das Leben. Es reichte ein Schnüffeln am Kot eines erkrankten Artgenossen. Jeder zweite infizierte Hund starb. Ganze Würfe von Welpen, die am Abend noch völlig gesund schienen, lagen am nächsten Morgen tot in ihren Körbchen. Allein die Tier-Pathologie der Uni Giessen untersuchte innerhalb eines knappen Jahres 1600 tote Hunde, um dem Erreger auf die Spur zu kommen. Vor den Praxen der Tierärzte, die in ihrer Not und mit teilweisem Erfolg Katzenseuche-Impfstoff zur Anwendung brachten, bildeten sich bis auf den Gehsteig reichende Schlangen panischer Hundebesitzer, die darauf hofften, eine Dosis von den knappen Vorräten für ihren Vierbeiner ergattern zu können. Noch bis in die frühen 90er haben wir ganze Nächte neben Würfen von parvovirosekranken Welpen zugebracht, die nach schrecklichem Kampf am Ende meist doch alle elendiglich gestorben sind. Den typischen Gestank der Parvovirose habe ich nach all den Jahren immer noch in der Nase, und er lässt meine Haare nach wie vor zu Berge stehen, denn das ist ein Geruch, den ein Tierarzt meiner Generation mit dem Tod assoziiert.

Dadurch, dass schon eine Impfung gegen die mit der Parvovirose eng verwandte Katzenseuche vorhanden war, konnte relativ schnell ein funktionierender CPV-Impfstoff entwickelt werden. Heutzutage kennen viele Hundebesitzer den Namen der Krankheit nur noch von den Aufklebern im Impfpass ihres Tieres. Bei nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission Vet geimpften Hunden hat die Krankheit so gut wie keine Chance mehr. Am ehesten bekommt man sie als Tierarzt noch bei illegal eingeführten Welpen aus den ehemaligen Ostblock-Staaten zu sehen. Aber selbst solche kranken Import-Welpen können keinen Seuchenausbruch wie damals in den 80ern auslösen, solange mehr als 70 Prozent der einheimischen Hunde wirksam geimpft sind.

Nun, was haben jetzt die Pocken und die Parvovirose gemeinsam? Ganz einfach, sie sind fantastische Erfolgsgeschichten der Impfung. Das Konzept der Impfung gegen gefährliche Infektionskrankheiten ist eine der glänzendsten Erfindungen der Medizingeschichte. Impfungen und Hygiene in Kombination haben vielen Millionen Menschen und Tieren das Leben gerettet, mehr als jede andere medizinische Entwicklung. Das oberste Ziel der Medizin sollte nicht die Therapie, sondern die Prävention von Krankheiten sein, und unter diesem Gesichtspunkt ist das Konzept der Schutzimpfung das wertvollste Instrument zur Verhinderung unendlichen Leids bei Mensch und Tier gleichermaßen und hat – nebenbei bemerkt – noch unglaubliches Potenzial für die Zukunft. Man denke nur an die immer bedeutsamer werdenden Impfungen gegen bestimmte Tumorerkrankungen.

So, an dieser Stelle sollte der geneigten Leserschaft wohl klar geworden sein, dass ich mit meiner Frage, ob die Tollwut-Impfung unter bestimmten Umständen in Deutschland verzichtbar geworden ist, und mit meinem Angebot eines Impftiter-Schnelltests zur Vermeidung unnötig (!) häufiger Impfungen auf gar keinen Fall beabsichtige, mich in die Schublade mit dem Etikett „Impfgegner“ einordnen zu lassen. Ganz im Gegenteil: Ignorante Besserwisser, die aus Gründen abstrusester persönlicher Überzeugungen ihren Schutzbefohlenen – seien es Kinder oder Haustiere – Schutzimpfungen vorenthalten, deren Sinn wissenschaftlich bis zum Gehtnichtmehr bewiesen ist, treiben mir mit schöner Regelmäßigkeit die Zornesröte ins Gesicht.

Diese Schlaumeier tragen ihre dogmatischen und selbstgefälligen Spiegelfechtereien auf dem Rücken aller anderen aus. Das oben schon kurz angesprochene Konzept der sogenannten Herdenimmunität bedeutet nämlich, dass Impfgegner und -verweigerer nicht nur mit Gesundheit und Leben ihrer eigenen Kinder und Haustiere spielen, sondern auch den Rest der Population gefährden. Sinkt die Immunitätsrate auf unter 70 Prozent, stellt sich nicht die Frage ob, sondern wann es zu seuchenartigen Krankheitsausbrüchen kommen wird. Und sobald es dann mal wieder einschlägt wie jetzt mit den Masernausbrüchen in Teilen der USA und hier in Deutschland, insbesondere in Berlin, dürfen Unschuldige büßen für die stupide und meiner Meinung nach annähernd verbrecherische Verweigerungshaltung einer lautstarken Minderheit. Da müssen Kleinkinder schwer leiden oder sogar sterben, die aufgrund ihres Alters noch gar nicht geimpft sein können, weil sie von Leuten angesteckt werden, die – korrekte Impfung vorausgesetzt – niemals hätten erkranken dürfen. Nur für den Fall, dass sich jemand irgendwelche Illusionen macht: Wer sein Kind nicht gegen Masern impfen lässt oder gar mit ihm auf eine Masern-Party geht, nimmt sehenden Auges eine Chance von wenigstens 1 : 1000 wahr, dass er sein Kind damit umbringt. Die genannte Sterblichkeits-Rate von bis zu 3 : 1000 bezieht sich ganz ausdrücklich nicht auf Entwicklungsländer (wo sie natürlich noch viel schlimmer ist), sondern auf Europa und die USA.

Und auf genau die gleiche Misere können wir bezüglich unserer Hunde nur warten. Die guten Zeiten, in denen wir Tierärzte Welpenbesitzer in Bezug auf die Infektionsgefahren in den Welpenkursen der Hundeschulen beruhigen konnten, scheinen inzwischen vorbei zu sein. Da beißt die Maus keinen Faden ab: Das ganze, zum größten Teil aus der Luft gegriffene Gejammer wegen völlig illusorischer Risiken von Impfungen führt inzwischen zu einem spürbaren Absinken der Herdenimmunität der Hundepopulation in Deutschland. Wenn das so weitergeht, müssen wir damit rechnen, dass noch nicht vollständig durchgeimpfte Welpen durch intensive Kontakte mit Artgenossen in Hundeschulen oder bei gemeinsamen Spaziergängen wieder ernsthaft in Gefahr geraten, was unter dem Gesichtspunkt einer guten Sozialisierung höchst bedauerlich wäre. Jeder mit einem Funken Verantwortung im Leib muss sich darüber im Klaren sein, dass er eine korrekte, nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission durchgeführte Grundimmunisierung nicht nur seinem eigenen Tier, sondern auch allen anderen schuldig ist. Und den Hundeschulen kann ich nur dringend ans Herz legen, sich die Impfpässe von neuen Kunden sehr genau anzusehen. Ein einziger mit der Parvovirose infizierter Wühltisch-Welpe aus Polen oder Tschechien kann ausreichend sein für eine mittlere Katastrophe, die auch das Ende der Hundeschule bedeuten könnte.

Wir haben also die paradoxe Situation, dass die mit Vernunft gesegnete Mehrheit, die durch das Impfen ihrer Kinder und Tiere die Herdenimmunität auf über 70 Prozent hält, es der unsolidarischen Minderheit von Impfverweigerern überhaupt erst ermöglicht, ständig große Töne zu spucken („Meine Kinder / Hunde werden nicht geimpft und waren noch nie krank!“) und damit auch noch andere zum Schaden der Allgemeinheit zu verunsichern. Erst durch Impfungen wird ja eine Situation geschaffen, in der Impfverweigerer ohne großes persönliches Risiko existieren können. Ich halte allerdings jede Wette, dass im Fall eines Seuchenausbruchs diese Leute zu den ersten gehören, die laut nach einer Impfung schreiend die Praxistüren der Ärzte einrennen.

Begrifflich klar abgrenzen von der Impfverweigerung, mit der ich offensichtlich ein ernstes Problem habe, möchte ich eine impfkritische Einstellung in dem Sinne, dass man fortwährend in Frage stellt, wie intensiv, wie häufig man impfen muss, um optimalen und lebenslangen Schutz für den Impfling herzustellen. Das ist völlig legitim! In diesem Sinne bin auch ich als Tierarzt impfkritisch. Wir müssen so wenig wie möglich, aber so häufig wie nötig impfen! Ich bemühe mich sehr und fühle mich auch verpflichtet, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse auf diesem Gebiet genau zu beobachten und so schnell wie möglich in die tägliche Impfpraxis zu integrieren. Ich wage die Voraussage, dass wir in den nächsten zehn Jahren – zumindest was die Viruserkrankungen angeht – immer noch längere Impfintervalle erleben werden. Das ist eine gute Entwicklung! Auch die Forschung in Bezug auf die den Impfstoffen zur Erzwingung einer besseren Immunantwort beigegebenen und leider nicht ganz unproblematischen Adjuvantien wird sicher nicht stillstehen, was ebenfalls zu begrüßen ist.

Nichtsdestotrotz gibt es auch schon heute einfach keinen wirklich stichhaltigen Grund und ist es mindestens schwer fahrlässig, seinem Haustier oder seinen Kindern die von den Ständigen Impfkommissionen empfohlenen Impfungen nicht verabreichen zu lassen. Im Vergleich zu den sehr realen und schrecklichen Auswirkungen eines echten Seuchenausbruchs sind die möglichen Nebenwirkungen der Impfungen bei Mensch und Tier ungefähr so beeindruckend wie ein Knallfrosch neben einer Atombombe. Bleiben wir doch bitte realistisch: Es werden in Deutschland pro Jahr mindestens 3 Millionen Impfdosen an Hunde verabreicht. Das Paul-Ehrlich-Institut hat 2004 (also noch in einer Zeit, in der meist jährlich gegen alles geimpft wurde) veröffentlicht, dass für einen Fünf-Jahres-Zeitraum 450 Meldungen von Impfnebenwirkungen eingegangen wären. Der Löwenanteil waren lokale Reaktionen (Schwellung, Schmerzen, Rötung) an der Impfstelle. Dazu kamen einige spontane allergische Reaktionen, wie sie jeder Tierarzt kennt und zu behandeln weiß. Es wurde in diesem Zeitraum kein einziger Todesfall gemeldet! Das bedeutet so ungefähr eine leichte bis mittlere Nebenwirkung pro 30000 und keinen einzigen Todesfall bei ca. 15 Millionen Impfungen.

Bevor jetzt gleich wieder ein Aufschrei kommt: Natürlich gibt es da eine ordentliche Dunkelziffer! Es ist jedem denkenden Menschen klar, dass beileibe nicht jede lokale Impfreaktion gemeldet wird. Einen „Impfbollen“ (wie der Schwabe sagt), der zwei, drei Tage ein bisschen druckempfindlich ist, melde auch ich nicht gleich als Impfnebenwirkung. Todesfälle dagegen werden natürlich mit hoher Sicherheit angezeigt. Auch wenn Sie sie nicht kennen sollten: Wir Tierärzte haben da Vorschriften zu befolgen. Man kann also guten Gewissens feststellen und natürlich wissenschaftlich hieb- und stichfest untermauern, dass Impfungen grundsätzlich nicht wirklich gefährlich oder auf jeden Fall tausendmal ungefährlicher sind als jede der Krankheiten, gegen die sie schützen sollen.

Noch ein abschließendes Wort an diejenigen unter Ihnen, denen jetzt Sachen wie „Verschwörung“, „finanzielle Verflechtungen der Impfkommissionen mit der Pharma-Industrie“, „Krankheit ist eine Chance für den Körper“, „Impfungen sind schuld an allem von Autismus über Alzheimer und Krebs bis zum IS-Terror“ und andere Latrinen-Parolen der Impfgegner durch den Kopf schwirren, darüber hinaus auch an diejenigen, die ihre Kinder auf eine Masern-Party schleppen oder dieses vorhaben, und nicht zuletzt an diejenigen, die mit dem größten Recht der Welt und einem ungeimpften Welpen in der Hundeschule aufschlagen: Ich bin nicht Ihr Verbündeter! Aus eingehenden Nachrichten und Mails musste ich erfahren, dass einige von Ihnen (es kann sich eigentlich auf gar keinen Fall um Kunden meiner Praxis handeln, denn die kennen mich) der Auffassung sind, mich so einsortieren zu können. Wenn Sie just in diesem Moment schon die Finger auf der Tastatur haben, um Ihre Enttäuschung über Ihre Fehleinschätzung öffentlich zu machen: Lassen Sie es doch einfach! Ich kann es nur so unverblümt wie möglich ausdrücken, damit ich auf keinen Fall missverstanden werde: Impfverweigerer, ob bei Kindern oder Haustieren, sind für mich (und dankenswerterweise für die große Mehrheit der Bevölkerung) im besten Fall verantwortungslose Spinner, und die Meinung von Spinnern interessiert weder mich noch die meisten anderen. Ich bin mir voll und ganz der Tatsache bewusst, dass ich notorische Impfverweigerer weder durch gute Argumente noch durch gesunden Menschenverstand aus ihrem Wahn aufwecken kann. Sollten Sie sich zu diesen Leuten zählen, so gehen Sie mir einfach aus dem Weg, sowohl virtuell als auch im wirklichen Leben. Ich bin nicht der Tierarzt, den Sie suchen! Fahren Sie doch stattdessen nach Afrika und predigen Ihren zynischen und menschenverachtenden Schwachsinn den Leuten, die gerade ihre ganze Familie an Ebola verloren haben und die ihren rechten Arm für einen Impfstoff mit wer weiß was für Nebenwirkungen gegeben hätten, und versuchen dann, nicht auf der Stelle erschlagen zu werden.

Diejenigen jedoch, die meine Argumentation bis hierher nachvollziehen konnten, also hoffentlich die meisten von Ihnen, darf ich wie immer bitten: Bleiben Sie uns gewogen, bis bald, Ihr

Ralph Rückert

© Kleintierpraxis Ralph Rückert, Bei den Quellen 16, 89077 Ulm / Söflingen

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Alte Hunde

Ich habe immer ein offenes Auge für Hundebücher aller Art und ein besonders schönes ist mir dabei kürzlich ins Blickfeld geraten. Es ist ein kleiner Bildband namens „Old Dogs are the best dogs“ mit Texten von von Gene Weingarten und Fotografien alter Hunde ab 10 Jahren aufwärts von Michael S. Williamson, Beide jeweils zweifache Pulitzer-Preisträger. Wer die Texte lieber in deutscher Sprache lesen möchte, für den Es gibt auch eine deutsche Übersetzung des Buchs.

Old Dogs are the best dogs by Gene Weingarten & Michael Williamson

Old Dogs are the best dogs by Gene Weingarten & Michael Williamson

Es war klar, dass ich das Büchlein direkt bestellen musste, denn ich bin ein großer Freund alter Hunde, obgleich ich selbst noch nie einen besass. Ich finde alte Hunde besonders würdevoll und ihr Anblick berührt mich meist ganz besonders und es ist aus Menschensicht regelmäßig beeindruckend, wie sie ihre Gebrechen und ihren körperlichen Verfall annehmen. Wie gesagt, aus Menschensicht, wie Hunde das wahrnehmen, kann ich ja nicht sagen.

Das Buch besteht aus 140 Seiten mit jeweils einer Seite Fotografie eines oder zweier alter Hunde (manche gibt es paarweise) und eines einseitigen Texts zu den Hunden auf der gegenüberliegenden Seite. Die Texte bräuchte ich ehrlich gesagt nicht zwingend, die finde ich weniger beeindruckend, aber das machen die Fotos wett, die gut auch ohne Text auskämen, so dass das Buch in jedem Fall eine Kaufempfehlung bleibt für Leute, die Freude an schönen Hundefotografien, insbesondere alter Hunde, haben.

 

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Der Hund des Metzgers

Jonathan Holt hat vor 5 Jahren (jetzt erst entdeckt) in seiner Abschlussarbeit auf dem Ringling College of Art and Design einen amüsanten Zeichentrickkurzfilm erstellt, der mich in weiten Teilen sehr an Filou erinnert, der ebenfalls etwas verwöhnt futtermäkelig ist und auch einige „Tricks“ auf Lager hat, um zu signalisieren, wenn er lieber ein anderes Futter bzw. Leckerli hätte als das gerade Angebotene. Ich kann gut nachvollziehen, dass so ein paar Würste verlockender sind als das hervorragendste Trockenfutter…

[via]

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